Fühlst du dich oft angespannt, kannst den Grund aber nicht genau benennen? Das ist ein vertrautes Gefühl für viele von uns. Dein Körper speichert Stress, manchmal sogar über Jahre hinweg. Genau hier setzt Somatic Yoga an: Es hilft dir, durch sanfte, von innen gefühlte Bewegungen diese tiefen Verspannungen zu lösen und deinem Nervensystem zu signalisieren, dass es sicher ist.
Wie Somatic Yoga deinen inneren Schutzpanzer löst
Hast du schon mal bemerkt, wie sich deine Schultern bei Stress fast von selbst nach oben ziehen? Oder wie dein Kiefer sich zusammenpresst, ohne dass du es bewusst steuerst? Diese Reaktionen sind automatische Schutzmechanismen deines Körpers. Wenn Stress aber zum Dauerzustand wird, können sich diese Muster verfestigen – wie ein Schutzpanzer, den du ständig mit dir herumträgst.
Somatic Yoga ist kein weiteres Workout, das dich an deine Grenzen bringt. Es ist vielmehr eine Einladung, ein tiefes Gespräch mit deinem Körper zu beginnen. Der Begriff „Soma“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „der von innen erlebte Körper“. Anstatt also eine perfekte Haltung von aussen zu erzwingen, lernst du, deine Aufmerksamkeit nach innen zu richten und wirklich zu spüren, wo die Anspannung sitzt. Ein konkretes Beispiel: Statt im Krieger II nur auf die äußere Form zu achten, fragst du dich im Somatic Yoga: „Wo spüre ich Anspannung in meiner Hüfte? Wie fühlt sich mein Atem an, wenn ich meinen Arm hebe?“

Dein Nervensystem im Fokus
Der Schlüssel zum Verständnis liegt in deinem vegetativen Nervensystem. Dieses System steuert unbewusst alles Wichtige wie Herzschlag, Atmung und Verdauung. Seine beiden Hauptakteure sind:
- Der Sympathikus: Dein inneres „Gaspedal“. Er aktiviert dich in Stresssituationen und bereitet dich auf Kampf oder Flucht vor. Stell dir vor, du musst plötzlich einem Bus hinterherrennen – dein Herz schlägt schneller, deine Atmung wird flacher, deine Muskeln spannen sich an. Das ist der Sympathikus in Aktion.
- Der Parasympathikus: Deine „Bremse“. Er ist für Ruhe, Erholung und Regeneration zuständig. Denk an das Gefühl, wenn du nach einem langen Tag entspannt auf dem Sofa liegst, ein Buch liest und tief durchatmest. Hier übernimmt der Parasympathikus das Kommando.
Bei chronischem Stress ist das Gaspedal quasi ständig durchgedrückt. Somatic Yoga hilft dir, ganz sanft wieder auf die Bremse zu treten. Durch langsame, bewusste Bewegungen gibst du deinem Gehirn neue, sichere Informationen und signalisierst ihm, dass die Gefahr vorüber ist. Das durchbricht den Teufelskreis der Anspannung.
Eine ganz zentrale Rolle spielt dabei der Vagusnerv. Er ist der Hauptnerv des Parasympathikus und somit unser Superstar für Entspannung. In unserem Artikel erfährst du mehr darüber, wie du gezielt deinen Vagusnerv stimulieren und Stress im Alltag abbauen kannst.
Somatic Yoga ist kein Leisten, sondern ein Hinhören. Es geht darum, deinem Körper die Erlaubnis zu geben, alte Muster loszulassen, anstatt ihn in neue Formen zu zwingen.
Somatic Yoga im Vergleich zu klassischem Yoga
Du fragst dich vielleicht, was genau der Unterschied zu einer normalen Yogastunde ist? Hier ein schneller Überblick, was diese Praxis so einzigartig macht.
| Aspekt | Somatic Yoga | Klassisches Yoga (z.B. Vinyasa) |
|---|---|---|
| Fokus | Inneres Erleben (Interozeption), Fühlen der Bewegung | Äussere Form, korrekte Ausrichtung, Ästhetik |
| Tempo | Sehr langsam, achtsam, oft mit Pausen | Dynamisch, fliessend, oft an den Atemrhythmus gebunden |
| Ziel | Nervensystem regulieren, Muster lösen, Selbstwahrnehmung | Kraft, Flexibilität, Ausdauer, spirituelle Praxis |
| Anleitung | Einladung zum Spüren: „Wie fühlt sich das an?“ | Klare Anweisungen: „Hebe dein Bein, strecke den Arm.“ |
Wie du siehst, geht es im Somatic Yoga weniger um die perfekte Pose als um das bewusste Loslassen von innen heraus.
Mehr als nur ein Trend
Die Hinwendung zu achtsamen, körperorientierten Methoden ist keine Nischenbewegung mehr. Die Yoga-Praxis in Deutschland hat in den letzten zehn Jahren ein enormes Wachstum erlebt. Aktuell praktizieren 13 Prozent der Deutschen Yoga – das entspricht rund 11 Millionen Menschen und ist eine Vervierfachung in nur einem Jahrzehnt.
Dieser Trend zeigt ganz klar: Ganzheitliche Ansätze wie Somatic Yoga sind fest im modernen Stressmanagement verankert. Diese Praxis lehrt dich, die feinen Signale deines Körpers zu verstehen und ihm dabei zu helfen, wirklich loszulassen. Es ist eine Reise zurück zu dir selbst, auf der du lernst, Anspannung nicht wegzudrücken, sondern sie sanft aufzulösen.
Deine erste somatische Erfahrung: Spür dich neu
Jetzt wird es praktisch. Wir legen die Theorie beiseite und du darfst selbst spüren, worum es im Somatic Yoga wirklich geht: um das sanfte, bewusste Loslassen von Stress, der sich im Körper festgesetzt hat.
Vergiss für einen Moment alles, was du über komplizierte Posen oder Leistungsdruck im Yoga gehört hast. Wir starten mit zwei ganz simplen, aber unglaublich tief wirkenden Bewegungen. Du kannst sie sofort umsetzen und eine direkte, ehrliche Verbindung zu deinem Körper aufbauen.
Das Wichtigste dabei? Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“. Das Ziel ist nicht, die Übung perfekt auszuführen, sondern neugierig zu erforschen, was du dabei fühlst. Gib dir die Erlaubnis, radikal langsam zu sein. Nur in dieser Langsamkeit hat dein Nervensystem die Chance, neue, entspannte Bewegungsmuster zu lernen und abzuspeichern.
Übung 1: Das Beckenschaukeln im Liegen (Arch and Curl)
Diese grundlegende Bewegung ist ein wunderbarer Einstieg. Sie lässt dich die feine, oft vergessene Verbindung zwischen deinem Becken, dem unteren Rücken und deiner gesamten Wirbelsäule wiederentdecken.
Gerade im unteren Rücken, in der Lendenwirbelsäule, sammelt sich bei vielen von uns chronische Anspannung – eine Folge von langem Sitzen, Stress und unbewussten Haltungsmustern. Diese Übung hilft, genau diese Spannung sanft zu lösen.
So findest du in die Bewegung:
- Die Ausgangslage: Leg dich ganz bequem auf den Rücken. Eine Yogamatte, ein Teppich oder auch der Boden sind perfekt. Stell deine Füße etwa hüftbreit auf, sodass die Knie gebeugt sind und entspannt zur Decke zeigen. Deine Arme liegen locker neben deinem Körper.
- Kurz ankommen: Nimm dir einen Moment, um wirklich hier anzukommen. Spür die Kontaktpunkte mit dem Boden – deine Fußsohlen, dein Becken, die Schulterblätter, der Hinterkopf. Wie fühlt sich dein unterer Rücken gerade an? Liegt er flach auf oder spürst du eine kleine Wölbung? Nimm einfach nur wahr, ganz ohne zu bewerten.
- Die sanfte Welle: Atme ruhig ein und beginne, dein Becken ganz langsam nach vorne zu kippen. Stell dir vor, dein Schambein bewegt sich von dir weg. Dadurch entsteht ein leichtes, angenehmes Hohlkreuz, und dein unterer Rücken hebt sich ein kleines Stück vom Boden.
- Die Gegenbewegung: Mit der Ausatmung kehrt sich die Bewegung um. Rolle dein Becken zurück, sodass dein unterer Rücken sanft in den Boden schmilzt. Dein Schambein zieht dabei leicht in Richtung Bauchnabel.
Wiederhole diese schaukelnde Bewegung ein paar Mal, ganz im Rhythmus deines eigenen Atems. Der Bewegungsumfang ist dabei völlig unwichtig. Es geht einzig und allein darum, zu spüren.
Was nimmst du wahr? Fühlt sich die Bewegung fließend an oder eher ruckelig? Gibt es eine Richtung, die sich leichter anfühlt? Sei einfach ein neugieriger Beobachter deiner eigenen Empfindungen.
Übung 2: Bewusstes Schulterkreisen gegen Nackenverspannungen
Ein verspannter Nacken und harte Schultern? Das kennen wohl die meisten von uns. Sie sind die klassischen Symptome von Alltagsstress, besonders wenn du viel Zeit am Schreibtisch verbringst.
Diese Übung ist wie eine Mini-Massage von innen. Sie hilft dir, festgefahrene Spannung im Schultergürtel zu lösen und wieder ein Gefühl von Weite und Leichtigkeit in diesem Bereich zu schaffen.
Deine Anleitung für mehr Leichtigkeit:
- Deine Position: Setz dich aufrecht, aber ganz entspannt auf einen Stuhl oder auf den Boden. Achte darauf, dass deine Füße festen Kontakt zum Untergrund haben und deine Wirbelsäule sich lang anfühlt, ohne starr zu sein.
- Der Beginn der Bewegung: Zieh mit der Einatmung deine Schultern ganz langsam und achtsam nach vorne und dann nach oben in Richtung deiner Ohren. Mach die Bewegung so langsam, dass du jeden Millimeter spüren kannst.
- Der weite Bogen: Führe die Schultern mit der Ausatmung in einem großen, weiten Bogen nach hinten und lass sie dann nach unten sinken. Spüre ganz bewusst, wie deine Schulterblätter auf dem Rücken sanft zueinander und nach unten gleiten.
- Wiederholung und Richtungswechsel: Wiederhole diese Kreisbewegung einige Male. Wechsle dann die Richtung und kreise die Schultern von hinten nach oben und von vorne wieder nach unten.
Hier ist die Qualität der Bewegung entscheidend, nicht die Anzahl der Wiederholungen. Stell dir vor, du bewegst dich in Zeitlupe. Indem du so bewusst auf die feinen Signale deines Körpers hörst, gibst du deinem Nervensystem das Zeichen, in einen Zustand der Ruhe und Entspannung zu wechseln.
Die Kombination aus achtsamer Bewegung und bewusster Atmung ist dabei ein unglaublich kraftvolles Werkzeug. Möchtest du tiefer in die Kraft der Atmung eintauchen? In unserem Guide findest du spannende Einblicke zum Thema Breathwork in Zürich und wie du es für dich nutzen kannst.
Diese beiden simplen Übungen sind dein erster, wertvoller Schritt, um Somatic Yoga mit allen Sinnen zu erleben und zu verstehen, wie du Stress im Körper sanft loslassen kannst.
Praktische Yoga-Sequenzen für deinen Alltag
Deine Yoga-Praxis sollte sich deinem Leben anpassen, nicht umgekehrt. Ganz ehrlich, wer hat schon jeden Tag eine volle Stunde Zeit nur für sich? Die gute Nachricht ist aber: Das brauchst du auch gar nicht. Schon ein paar Minuten achtsamer Bewegung können den Reset-Knopf drücken und dein Nervensystem wieder ins Lot bringen.
Deshalb habe ich zwei kurze, aber unglaublich wirkungsvolle Sequenzen für dich zusammengestellt. Sie sind so konzipiert, dass du sie ganz einfach in deinen Alltag einbauen kannst, um Stress im Körper sanft loszulassen – genau dann, wenn du es am dringendsten brauchst. Es geht nicht darum, noch einen Punkt auf deine To-do-Liste zu packen, sondern dir kleine, bewusste Inseln der Ruhe zu schaffen.
Deine 10-Minuten-Reset-Routine fürs Büro
Langes Sitzen am Schreibtisch kennen wir alle. Schultern, Nacken und der untere Rücken sind die typischen Leidtragenden, die sich früher oder später mit Verspannungen melden. Diese Mini-Sequenz kannst du direkt auf deinem Bürostuhl machen. Kein Umziehen, keine Matte nötig.
Betrachte diese Routine als deine Geheimwaffe gegen das Nachmittagstief und die angestaute Anspannung. Sie weckt deinen Körper wieder auf, bringt Bewusstsein in die verspannten Bereiche und das alles, ohne dass du ins Schwitzen kommst.
Ablauf deiner achtsamen Büropause:
- Katze-Kuh im Sitzen (3 Minuten): Setz dich auf die vordere Kante deines Stuhls, die Füße stehen fest und flach auf dem Boden. Mit der Einatmung schiebst du dein Herz sanft nach vorne und kommst in ein leichtes Hohlkreuz (die Kuh). Beim Ausatmen rundest du den Rücken, ziehst das Kinn Richtung Brust und machst einen richtigen Katzenbuckel. Wiederhole das ganz im Rhythmus deines Atems und spüre, wie deine Wirbelsäule wieder beweglich wird.
- Sanfte Nackenrollen (2 Minuten): Lass dein Kinn zur Brust sinken. Jetzt rolle deinen Kopf ganz, ganz langsam von einer Schulter zur anderen. Atme dabei ruhig und gleichmäßig. Wichtig: Den Kopf nicht nach hinten in den Nacken werfen! Der Fokus liegt auf der sanften Dehnung der seitlichen und hinteren Nackenmuskeln.
- Schulter-Release (3 Minuten): Kreise deine Schultern ein paar Mal bewusst nach hinten und unten – stell dir vor, du wirfst damit den ganzen Ballast des Tages ab. Verschränke dann die Finger hinter dem Rücken, streck die Arme durch und zieh die Schulterblätter zueinander. Das öffnet den Brustkorb und wirkt der typischen Schreibtischhaltung entgegen.
- Handgelenk- und Finger-Stretch (2 Minuten): Streck einen Arm nach vorne aus, die Handfläche zeigt nach oben. Mit der anderen Hand ziehst du nun sanft die Finger in Richtung Boden, bis du eine Dehnung spürst. Kurz halten, dann die Seite wechseln. Eine Wohltat für alle, die viel tippen!
Diese kurze Auszeit unterbricht den Teufelskreis der Anspannung und schenkt dir spürbar neue Energie.

Dieses einfache Prinzip – vom Zentrum des Körpers ausgehend Blockaden zu lösen und dann in die bewusste Wahrnehmung zu kommen – ist der Kern jeder somatischen Übung, auch in diesen kurzen Alltags-Routinen.
Deine 20-Minuten-Feierabend-Sequenz zum Abschalten
Nach einem langen Tag surrt der Kopf oft noch weiter, auch wenn der Laptop längst zugeklappt ist. Diese Sequenz ist dein ganz persönliches Ritual, um den Schalter umzulegen – vom Arbeitsmodus in den wohlverdienten, erholsamen Abend. Hier nehmen wir uns bewusst etwas mehr Zeit, um auch tieferliegende Spannungen im ganzen Körper anzusprechen, von den oft festen Hüften bis zum angespannten Kiefer.
Diese Praxis ist deine bewusste Entscheidung, den Tag hinter dir zu lassen. Sie kombiniert achtsame Bewegungen mit ruhiger Atmung, um dein Nervensystem herunterzufahren und dich auf Regeneration vorzubereiten.
Mach es dir dafür auf einer Matte oder einem weichen Teppich bequem.
Dein Ritual zum Runterkommen:
- Beckenboden-Atmung (5 Minuten): Leg dich auf den Rücken und stell die Füße auf. Eine Hand ruht auf deinem Bauch. Atme tief ein, sodass sich die Bauchdecke hebt, und stell dir vor, wie dein Atem bis in den Beckenboden fließt und ihn sanft weitet. Mit der Ausatmung lässt du einfach alles los.
- Liegender Schmetterling (5 Minuten): Bleib auf dem Rücken liegen und lass deine Knie sanft nach außen fallen, sodass sich deine Fußsohlen berühren. Wenn das in den Leisten zieht, lege einfach Kissen oder Decken unter deine Knie zur Unterstützung. Schließ die Augen und atme in die sanfte Öffnung deiner Hüften.
- Scheibenwischer (5 Minuten): Stell die Füße wieder auf, diesmal etwas breiter als deine Hüften. Jetzt lass deine Knie ganz langsam und kontrolliert von einer Seite zur anderen sinken, wie die Scheibenwischer eines Autos. Spüre die sanfte Drehung im unteren Rücken und in der Taille.
- Kiefer-Entspannung (5 Minuten): Beende die Sequenz in einer bequemen Rückenlage. Öffne deinen Mund einmal ganz weit, als würdest du herzhaft gähnen, und schließe ihn wieder. Bewege deinen Unterkiefer sanft von links nach rechts. Lass die Zunge locker im Mundraum ruhen und nimm noch ein paar tiefe, entspannte Atemzüge.
Diese Sequenzen sind einfache, aber kraftvolle Werkzeuge, um dich im Laufe des Tages immer wieder mit dir selbst zu verbinden.
Deine Somatic Yoga Kurz-Programme
Finde die passende Sequenz für deinen Moment – egal ob du nur kurz Zeit hast oder tief entspannen willst.
| Sequenz | Dauer | Fokus | Ideal für |
|---|---|---|---|
| Büro-Reset | 10 Minuten | Nacken, Schultern, Wirbelsäule | Die schnelle Entspannung am Schreibtisch, um Verspannungen vorzubeugen. |
| Feierabend-Ritual | 20 Minuten | Hüften, unterer Rücken, Kiefer | Den Übergang vom stressigen Tag in einen ruhigen Abend zu gestalten. |
Probier einfach aus, welche Routine sich für dich am besten anfühlt. Schon kleine, regelmäßige Einheiten machen einen riesigen Unterschied für dein Wohlbefinden.
So passt du die Übungen an deine Bedürfnisse an
Somatic Yoga ist für jeden Körper da. Ehrlich. Hier geht es nicht darum, eine perfekte Form zu erreichen, sondern eine Bewegung zu finden, die sich für dich ganz persönlich richtig und wohltuend anfühlt. Lass uns mal anschauen, wie du die Praxis an deine individuellen Lebensumstände anpassen kannst, damit du auch wirklich den größten Nutzen daraus ziehst.
Dein Körper ist einzigartig und deine Bedürfnisse ändern sich ständig. Deshalb ist Flexibilität der Schlüssel, um Somatic Yoga so zu gestalten, dass es dich wirklich nährt und dir hilft, Stress im Körper sanft loszulassen.

Anpassungen für frischgebackene Mütter
Die Zeit nach der Geburt ist eine Phase riesiger Veränderungen – körperlich wie emotional. Dein Körper hat Unglaubliches geleistet und verdient jetzt besondere Achtsamkeit. Somatic Yoga kann dich bei der Rückbildung wunderbar unterstützen.
Der Fokus liegt dabei auf einer sanften Reaktivierung und Entlastung. Anstatt dich unter Druck zu setzen, geht es darum, wieder eine liebevolle Verbindung zu deinem Körper aufzubauen.
- Beckenboden sanft spüren: Vergiss intensive Anspannungsübungen. Konzentriere dich stattdessen auf die bewusste Wahrnehmung. Nutze das Beckenschaukeln (Arch and Curl) und spüre mit deiner Atmung die feinen Bewegungen im Becken, ganz ohne Druck auszuüben.
- Schultergürtel entlasten: Vom vielen Tragen deines Babys sind Schultern und Nacken oft total verspannt. Integriere sanftes Schulterkreisen und achtsames Armheben, um wieder Weite zu schaffen. Stell dir einfach vor, du schaffst neuen Raum zwischen deinen Schulterblättern.
Dein Körper weiß genau, was er braucht. Somatic Yoga gibt dir die Werkzeuge, um wieder hinzuhören und seine Signale zu verstehen, anstatt sie zu übergehen. Es ist eine Praxis der Selbstfürsorge, die gerade in dieser intensiven Zeit unbezahlbar ist.
Modifikationen für den Büroalltag
Langes Sitzen am Schreibtisch führt oft zu diesem Gefühl der Erstarrung im Körper. Die gute Nachricht: Du musst nicht auf die Yogamatte warten, um gegenzusteuern. Viele somatische Übungen lassen sich super unauffällig direkt am Stuhl durchführen.
Diese kleinen Bewegungspausen durchbrechen die monotonen Haltungsmuster und signalisieren deinem Nervensystem, dass es sich entspannen darf.
Deine Mini-Bewegungen am Arbeitsplatz:
- Fuß-Wahrnehmung: Rolle mit deinen Füßen bewusst von der Ferse zum Ballen und zurück. Spüre den Kontakt zum Boden. Das erdet dich sofort und löst Spannungen bis in die Beine.
- Sitzende Wirbelsäulen-Welle: Anstatt einer vollen Katze-Kuh-Bewegung, lass einfach eine sanfte Welle durch deine Wirbelsäule fließen. Beginne vom Becken und lass die Bewegung bis zum Kopf wandern. Das lockert den Rücken und fördert nebenbei die Konzentration.
Tipps für Yoga-Neulinge
Wenn du ganz neu in der Welt des Yoga bist, kann das alles zunächst etwas einschüchternd wirken. Aber Somatic Yoga ist der perfekte Einstieg, weil es absolut keine Vorkenntnisse oder besondere Flexibilität erfordert.
Der wichtigste Tipp ist: Sei nachsichtig mit dir selbst.
- Nutze Hilfsmittel großzügig: Eine gefaltete Decke unter dem Kopf oder den Knien, ein Kissen unter dem Becken – alles, was dir hilft, dich wohl und gestützt zu fühlen, ist nicht nur erlaubt, sondern absolut erwünscht.
- Weniger ist mehr: Beginne mit nur einer oder zwei Übungen und nimm dir Zeit, sie wirklich zu spüren. Es geht nicht um die Anzahl, sondern um die Qualität deiner Aufmerksamkeit.
- Vermeide Überforderung: Wenn sich eine Bewegung nicht gut anfühlt, passe sie an oder lass sie weg. Dein Körper hat immer Recht. Das Ziel ist, einen sicheren und angenehmen Raum für dich zu schaffen, in dem du wirklich entspannen kannst.
Sicherheit und Achtsamkeit: Dein Körper weist den Weg
Die wichtigste und zugleich befreiendste Regel im Somatic Yoga lautet: Dein Körper hat immer Recht. Diese Praxis ist von Natur aus unglaublich sanft und sicher, weshalb das Verletzungsrisiko verschwindend gering ist. Trotzdem ist eine bewusste, achtsame Haltung der Schlüssel, um wirklich alles aus deiner Zeit auf der Matte herauszuholen.
Hier geht es darum, eine ganz neue Sensibilität für die feinen Signale deines Körpers zu entwickeln. Du lernst mit der Zeit, den Unterschied zwischen einem wohltuenden Gefühl der Lösung – vielleicht ein sanftes Ziehen oder eine tiefe Erleichterung – und einem echten Warnsignal wie stechendem Schmerz zu erkennen.
Somatic Yoga ist kein Wettkampf gegen dich selbst. Es ist eine Einladung, Freundschaft mit deinem Körper zu schließen. Das Loslassen von tief sitzenden Verspannungen ist ein Prozess, kein Schalter, den man einfach umlegt.
Niemals in den Schmerz hineinbewegen
Ein zentrales Prinzip ist, niemals in den Schmerz hineinzuarbeiten. Wenn sich eine Bewegung nicht gut anfühlt, ist das kein Zeichen von Schwäche, sondern eine wertvolle Information. Dein Körper kommuniziert mit dir und bittet dich um eine Anpassung.
- Passe sofort an: Verkleinere einfach den Bewegungsradius.
- Werde langsamer: Führe die Bewegung in extremer Zeitlupe aus.
- Halte inne: Pausiere kurz und atme ganz bewusst in den Bereich hinein.
Manchmal ist die winzigste, sanfteste Bewegung die wirkungsvollste. Wenn du dich überforderst, schaltet dein Nervensystem reflexartig auf Schutz und erzeugt neue Anspannung – genau das Gegenteil von dem, was du erreichen möchtest. Tiefe Entspannung findest du übrigens auch in Praktiken wie Yoga Nidra. Lerne mehr über die Kunst des bewussten Schlafes und wie du mit Yoga Nidra auf Deutsch noch tiefer regenerieren kannst.
Die Magie der Langsamkeit
Hektik und Eile haben in der somatischen Praxis absolut nichts verloren. Nur wenn du dich langsam, fast meditativ bewegst, hat dein Gehirn die nötige Zeit, alte, festgefahrene Bewegungsmuster zu erkennen und neue, gesündere zu lernen. Gib dir selbst die Erlaubnis, radikal langsam zu sein.
Sei geduldig mit dir und deinem Körper. Die Prinzipien der Achtsamkeit sind hierfür fundamental. Um deine Praxis zu vertiefen, kann es helfen, zu verstehen, wie Achtsamkeit im Alltag als Werkzeug gegen Stress und Hektik dienen kann. Jeder Atemzug und jede noch so kleine Bewegung ist ein Schritt auf dem Weg, Stress im Körper sanft loszulassen.
Häufig gestellte Fragen zu Somatic Yoga
Gerade weil Somatic Yoga so anders ist als die meisten Yoga-Stile, die du kennst, tauchen oft Fragen auf. Das ist ganz normal. Hier habe ich die häufigsten Antworten für dich gesammelt, damit du mit einem guten und sicheren Gefühl in deine eigene Praxis starten kannst.
Muss ich sportlich sein, um mitzumachen?
Nein, absolut nicht. Das ist einer der größten Mythen, der viele Menschen davon abhält, Yoga überhaupt erst zu probieren. Somatic Yoga ist für jedes Fitnesslevel, jeden Körperbau und jedes Alter geeignet.
Hier geht es nicht um Leistung, akrobatische Posen oder wie flexibel du bist. Der Fokus liegt einzig auf der sanften, achtsamen Bewegung und darauf, deinen Körper von innen heraus wieder bewusst zu spüren. Du brauchst also keinerlei Vorkenntnisse.
Wie oft sollte ich üben, um eine Wirkung zu spüren?
Du wirst staunen, aber schon 10 bis 15 Minuten täglich können einen riesigen Unterschied für dein Wohlbefinden machen. Beim Somatic Yoga zählt Regelmäßigkeit viel mehr als die Dauer einer einzelnen Session.
Dein Nervensystem lernt durch Wiederholung. Gibst du ihm regelmäßig kurze Impulse der Entspannung, hilfst du ihm, neue, gesündere Muster zu etablieren. Anstatt dich also unter Druck zu setzen, hör lieber auf deinen Körper. Integriere die Praxis so, wie es sich für dich gut und machbar anfühlt.
Der größte Fortschritt liegt nicht darin, länger zu üben, sondern öfter und bewusster hinzuspüren. Jede Minute, die du dir schenkst, ist ein wertvoller Beitrag, um Stress im Körper sanft loszulassen.
Kann ich Somatic Yoga auch bei akuten Schmerzen praktizieren?
Hier ist Vorsicht das oberste Gebot. Bei akuten Schmerzen, frischen Verletzungen oder direkt nach einer Operation solltest du immer zuerst Rücksprache mit deinem Arzt, deiner Ärztin oder Physiotherapeut:in halten.
Somatic Yoga ist eine wunderbare Unterstützung bei chronischen Verspannungen und zur Prävention. Es sollte aber niemals als Ersatz für eine notwendige medizinische Behandlung gesehen werden. Sobald du grünes Licht von Fachleuten hast, kann dir die sanfte Praxis dabei helfen, wieder ein sicheres Gefühl für deinen Körper aufzubauen.
Was unterscheidet das von normaler Gymnastik?
Auf den ersten Blick mögen manche Bewegungen vielleicht ähnlich aussehen, doch die Intention dahinter ist eine völlig andere. Und genau dieser Unterschied ist entscheidend, um zu verstehen, warum Somatic Yoga Stress im Körper sanft loslassen kann.
- Bei der Gymnastik geht es meist um die mechanische Wiederholung von Bewegungen. Das Ziel ist, Muskeln zu kräftigen oder die Ausdauer zu verbessern – der Fokus liegt auf der äußeren Leistung. Ein Beispiel: Du machst 20 Kniebeugen, um deine Oberschenkel zu trainieren.
- Beim Somatic Yoga liegt der Fokus komplett auf der inneren Wahrnehmung (Interozeption). Du lernst, Spannungen bewusst zu spüren, ihre Ursachen zu verstehen und sie durch gezielte, langsame Mikrobewegungen aufzulösen. Das Ziel ist die Regulation deines Nervensystems. Ein Beispiel: Du bewegst dein Becken millimeterweise und spürst genau, an welchem Punkt sich die Spannung im unteren Rücken löst.
Es ist also weniger ein körperliches Training als vielmehr ein bewusster Dialog mit deinem Körper.
Bist du bereit, die Verbindung zu deinem Körper zu vertiefen und Stress nachhaltig abzubauen? Bei der Templeshape GmbH findest du einen sicheren Raum, um Bewegung als wohltuenden Teil deines Alltags zu etablieren. Entdecke unsere vielfältigen Kurse – von ruhigem Yoga bis zu aktivierenden Workouts – und finde genau das, was du jetzt brauchst.
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