Vergiss alles, was du bisher über Beckenbodentraining gehört hast. Das, was ich als Beckenbodentraining 2.0 bezeichne, hat nichts mit dem isolierten Anspannen zu tun, das viele im Kopf haben. Es ist vielmehr der Schlüssel zu deiner gesamten Core-Stabilität und einem kraftvollen Körpergefühl.
Wir sprechen hier von einem intelligenten Zusammenspiel, das deine Mitte von Grund auf stärkt – und das ist für jedes Alter und jedes Fitnesslevel entscheidend.
Warum modernes Beckenbodentraining so viel mehr ist, als du denkst

Wenn du das Wort «Beckenboden» hörst, denkst du vielleicht an junge Mütter oder an eine unsichtbare Muskelgruppe, die du im Sitzen irgendwie anspannen sollst. Aber ganz ehrlich? Diese Vorstellung ist veraltet und greift viel zu kurz. Dein Beckenboden ist das Fundament deiner Körpermitte und spielt untrennbar mit anderen wichtigen Muskeln zusammen.
Stell dir deinen Rumpf, deinen Core, am besten wie ein eingespieltes Team vor: Der Beckenboden ist die tragende Basis. Deine tiefen Bauch- und Rückenmuskeln bilden die stabilisierenden Wände. Und dein Zwerchfell, unser Hauptatemmuskel, ist das flexible Dach. Nur wenn alle diese Teammitglieder harmonisch zusammenarbeiten, entsteht echte, funktionale Stabilität von innen heraus.
Das Power-Team deiner Körpermitte
Ein funktionaler Beckenboden ist also weit mehr als nur ein Muskel, der «dicht hält». Er ist ganz entscheidend für:
- Eine aufrechte Haltung: Er stützt deine Organe und die Wirbelsäule von unten und sorgt für eine natürliche, innere Aufrichtung. Stell dir vor, wie ein innerer Lift dich sanft in die Länge zieht.
- Effiziente Kraftübertragung: Egal, ob du eine Einkaufstasche hebst oder zum Bus sprintest – er leitet die Kraft optimal durch deinen Körper.
- Schutz vor Verletzungen: Eine stabile Mitte federt Belastungen ab und beugt so Rückenschmerzen und Gelenkproblemen effektiv vor.
- Freie Atmung: Er reagiert auf jeden einzelnen Atemzug und ermöglicht eine tiefe, entspannte Zwerchfellatmung.
Dieses ganzheitliche Verständnis macht klar, warum Beckenbodentraining 2.0 für uns alle relevant ist. Egal, ob du stundenlang am Schreibtisch sitzt, im HIIT-Kurs an deine Grenzen gehst oder einfach nur beschwerdefrei durch den Alltag kommen möchtest.
Ein starker, reaktionsfähiger Beckenboden ist nicht nur für die Kontinenz wichtig, sondern steigert deine sportliche Leistung, verbessert deine Haltung und stärkt dein gesamtes Körpergefühl.
Mehr als nur ein Frauenthema
Und nein, das Thema betrifft längst nicht nur Frauen nach einer Schwangerschaft. Gerade sportlich aktive Menschen setzen ihren Beckenboden oft unwissentlich hohen Belastungen aus. In der Schweiz ist Belastungsinkontinenz bei Sportlerinnen ein weit verbreitetes, aber oft verschwiegenes Problem.
Studien zeigen, dass zwischen 20 und 84 Prozent aller Athletinnen bei körperlicher Anstrengung unfreiwillig Urin verlieren. Die Zahlen sind bei Sportarten wie Crossfit (84 %) oder Volleyball (65 %) besonders hoch. Aber auch fast die Hälfte aller Freizeitsportlerinnen in Fitnesscentern kennt dieses Problem. Mehr über die Zusammenhänge von Beckenboden und Sport kannst du in dieser Untersuchung nachlesen.
Diese Zahlen machen überdeutlich, wie wichtig ein integriertes Training von Beckenboden und Core ist. Hier legst du das Fundament für eine starke, widerstandsfähige Mitte, die dich in jeder Lebenslage unterstützt.
Beckenbodentraining 1.0 vs. 2.0 im Vergleich
Hier siehst du auf einen Blick, was den modernen, ganzheitlichen Ansatz vom traditionellen Training unterscheidet.
| Merkmal | Beckenbodentraining 1.0 (Traditionell) | Beckenbodentraining 2.0 (Ganzheitlich) |
|---|---|---|
| Fokus | Isoliertes An- und Entspannen, oft im Sitzen oder Liegen. | Dynamische Integration in Ganzkörperbewegungen. |
| Ziel | Primär Kontinenz sichern, oft rein statisch. | Core-Stabilität, Kraftübertragung, Haltung, Atmung. |
| Zusammenspiel | Muskeln werden isoliert betrachtet. | Betrachtet Beckenboden, Zwerchfell, Bauch- und Rückenmuskeln als Einheit. |
| Atmung | Wird oft vernachlässigt oder falsch angewendet. | Die Atmung ist der zentrale Taktgeber für die Bewegung. |
| Alltagsbezug | Kaum Übertrag in funktionale Alltagsbewegungen. | Training bereitet auf reale Belastungen vor (Heben, Niesen, Laufen). |
| Für wen? | Meist für Frauen nach der Geburt oder bei Inkontinenz. | Für alle Altersgruppen und Geschlechter, von Sportlern bis zu Senioren. |
Wie du siehst, geht es bei der modernen Herangehensweise darum, den Beckenboden wieder zu einem intelligenten und reaktionsfähigen Teil deines gesamten Körpers zu machen – nicht zu einem Muskel, den du nur isoliert ansteuerst.
Die Verbindung zwischen Atmung und Beckenboden finden
Bevor du dich in komplexe Übungen stürzt, musst du eine ganz entscheidende Verbindung herstellen. Der Schlüssel zu deinem Beckenboden – und damit zu deiner gesamten Rumpfstabilität – liegt nämlich nicht in roher Muskelkraft, sondern in deinem Atem. Genauer gesagt: in der Zwerchfellatmung.
Stell dir deinen Beckenboden wie eine flexible, innere Hängematte vor. Dein Zwerchfell, dieser grosse Atemmuskel direkt unter der Lunge, ist sein direkter Tanzpartner. Bei jeder natürlichen Einatmung senkt sich dein Zwerchfell, und dein Beckenboden wölbt sich sanft und ohne Anstrengung nach unten und gibt nach. Beim Ausatmen hebt sich das Zwerchfell wieder, und dein Beckenboden federt ebenso sanft zurück nach oben.
Spüre die Bewegung deines Beckenbodens
Um dieses feine Zusammenspiel bewusst wahrzunehmen, probier mal diese simple Übung aus:
- Leg dich ganz entspannt auf den Rücken, stell die Knie auf. Leg eine Hand locker auf deinen Bauch.
- Atme tief und ruhig durch die Nase ein. Spüre, wie sich deine Bauchdecke hebt, und stell dir vor, wie dein Beckenboden sich dabei weitet und nachgibt.
- Atme langsam durch den Mund wieder aus. Dein Bauch senkt sich, und du spürst eine ganz sanfte, aufsteigende Bewegung in deiner Beckenregion.
Wiederhole das ein paar Mal. Hier geht es nicht ums Anspannen, sondern rein ums Wahrnehmen.
Das Ziel ist, die natürliche Reaktion deines Beckenbodens auf den Atem zu spüren – ganz ohne aktives Pressen oder Anspannen der Gesäss- oder Bauchmuskeln.
Ein häufiger Fehler ist, die Luft anzuhalten oder unbewusst die Muskeln im Gesäss und an den Oberschenkeln zu verkrampfen. Konzentrier dich darauf, diese Bereiche bewusst locker zu lassen. Diese feine Wahrnehmung ist die absolute Grundlage für jedes effektive Beckenbodentraining 2.0. Um dieses Körpergefühl weiter zu schulen, können unterstützende Praktiken, wie sie zum Beispiel die Yogabar anbietet, sehr wertvolle Impulse geben.
Nutze deinen Atem im Alltag
Sobald du diese Verbindung spürst, kannst du sie gezielt im Alltag einsetzen. Wenn du das nächste Mal eine schwere Einkaufstasche aufhebst, atme aus und nutze die natürliche Hebebewegung deines Beckenbodens, um deinen Rumpf zu stabilisieren. Diese kleine Anpassung macht einen riesigen Unterschied für deine Stabilität.
Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie du verschiedene Atemtechniken gezielt einsetzen kannst, lies auch unseren Artikel über Breathwork in Zürich und wie du es für dich nutzen kannst. Diese bewusste Verbindung zwischen Atem und Rumpf ist die unverzichtbare Basis für alles, was jetzt folgt.
Funktionale Übungen für deine Lebenssituation
Jetzt geht’s ans Eingemachte. Dein Beckenboden und dein Core brauchen keine stundenlangen Workouts, sondern die richtigen Impulse, die wirklich zu deinem Leben passen. Deshalb habe ich dir ein Programm zusammengestellt, das sich ganz nach deinen Bedürfnissen richtet – egal, ob du im Büro sitzt, ein Baby erwartest oder dich auf deinen nächsten Lauf vorbereitest.
Der Schlüssel liegt darin, die Core-Aktivierung in funktionale, alltagsnahe Bewegungen zu packen. So baust du Kraft auf, die du auch wirklich nutzen kannst. Jede Übung kommt mit einer einfachen Variante für den Einstieg und einer Steigerungsmöglichkeit, damit du dich kontinuierlich weiterentwickeln kannst.
Unsichtbares Training für den Büroalltag
Langes Sitzen ist Gift für die Rumpfmuskulatur und fördert eine passive Haltung. Aber keine Sorge, mit diesen unauffälligen Übungen kannst du deinen Core direkt am Schreibtisch aktivieren, ohne dass es jemandem auffällt.
Der Stuhl-Aktivator: Setz dich aufrecht an die vordere Kante deines Stuhls. Deine Füsse stehen hüftbreit und fest am Boden. Atme aus und aktiviere sanft deinen Beckenboden, indem du dir vorstellst, die Sitzbeinhöcker zueinander zu ziehen. Gleichzeitig spannst du den unteren Bauch an, als würdest du einen Reissverschluss schliessen. Halte diese sanfte Spannung für 5–10 Sekunden, während du ruhig weiteratmest. Mit der nächsten Einatmung löst du die Spannung wieder.
Die Beinhebe-Challenge: Bleib aufrecht sitzen. Atme aus, aktiviere deinen Core wie eben beschrieben und hebe dann ein Bein nur wenige Zentimeter vom Boden ab. Kurz halten, dann kontrolliert wieder absetzen. Wechsle die Seite. Das Wichtigste dabei: Der Oberkörper bleibt stabil, der Rücken rundet nicht ein.
Sanfte Mobilisation in der Schwangerschaft
In der Schwangerschaft geht es weniger um maximale Kraft als darum, den Beckenboden beweglich und reaktionsfähig zu halten. Eine sanfte Mobilisation bereitet ihn auf die Geburt vor und kann gleichzeitig fiese Verspannungen im unteren Rücken lösen.
Eine wunderbare Übung dafür ist der Katze-Kuh-Flow im Vierfüsslerstand. Konzentriere dich darauf, beim Einatmen (Kuh-Position, leichter Hohlrücken) den Beckenboden ganz bewusst zu entspannen und weit werden zu lassen. Beim Ausatmen (Katzenbuckel) aktivierst du ihn sanft und ziehst ihn nach innen und oben.
Diese bewusste Verbindung von Atem und Bewegung ist pures Gold. Sie schult deine Wahrnehmung und hilft dir, unter der Geburt loslassen zu können und danach die Muskulatur gezielt wiederzufinden.
Die folgende Infografik zeigt dir diesen fundamentalen Prozess der Beckenboden-Atmung, der die Basis für absolut jede Übung bildet.

Die Grafik macht deutlich, wie dein Beckenboden bei der Einatmung nachgibt und sich bei der Ausatmung hebt – ein ganz natürlicher Rhythmus, den du dir für dein Training zunutze machst.
Sichere Rückbildung nach der Geburt
Schwangerschaft und Geburt sind eine enorme Belastung für deinen Beckenboden. Nach einer vaginalen Geburt steigt dein Risiko für Harninkontinenz um den Faktor 9,2. Obwohl es an Langzeitdaten mangelt, empfiehlt ein breiter Expertenkonsens, so früh wie möglich mit einem gezielten Beckenbodentraining zu beginnen. Die gute Nachricht: Studien zeigen, dass strukturiertes Gruppentraining genauso wirksam sein kann wie Einzelstunden.
Die Beckenbrücke mit Atemsteuerung ist eine der sichersten und effektivsten Übungen für deinen Wiedereinstieg.
- Ausgangsposition: Lege dich entspannt auf den Rücken und stelle deine Beine hüftbreit auf.
- Aktivierung: Atme aus und aktiviere sanft deinen Beckenboden und die tiefen Bauchmuskeln.
- Bewegung: Hebe dein Becken Wirbel für Wirbel vom Boden ab, bis dein Körper eine gerade Linie von den Schultern bis zu den Knien bildet.
- Halten und Atmen: Halte oben kurz inne, atme ein. Lass das Becken beim nächsten Ausatmen wieder langsam und ganz kontrolliert absinken.
Du suchst nach weiteren sicheren und effektiven Übungen für die Zeit nach der Entbindung? Dann schau dir unbedingt unseren Leitfaden zu Beckenbodenübungen nach der Geburt an.
Dynamische Stabilität für Sportler
Für dich als Sportler ist ein reaktionsschneller Beckenboden das A und O. Er muss bei High-Impact-Aktivitäten wie Laufen oder CrossFit für Stabilität sorgen und den Druck im Bauchraum abfedern. Deshalb integrieren wir die Core-Ansteuerung hier in dynamische Bewegungen.
- Dynamische Ausfallschritte mit bewusster Ansteuerung: Mache einen grossen Schritt nach vorne in einen Ausfallschritt. Konzentriere dich darauf, beim Absenken einzuatmen und den Beckenboden nachgeben zu lassen. Beim kraftvollen Abstossen zurück in den Stand atmest du aus und aktivierst ganz bewusst Beckenboden und Core. Das simuliert die Belastung beim Laufen und schult die schnelle Reaktionsfähigkeit deiner Rumpfmuskulatur.
Core-Stabilität in dein tägliches Training integrieren

Wahre Stärke baust du nicht nur auf der Trainingsmatte auf – du lebst sie im Alltag. Die besten Übungen nützen wenig, wenn das Gelernte nicht in deine täglichen Bewegungen überfliesst. Aber genau darin steckt die grösste Chance: Jeder Tag schenkt dir unzählige Gelegenheiten, deine Core-Stabilität ganz nebenbei zu festigen.
Das Schöne daran? Es geht oft nur um winzige, bewusste Anpassungen. Du musst keine extra Zeit einplanen, sondern verwandelst ganz alltägliche Handlungen in effektive Mini-Workouts für deine Körpermitte.
Dein Beckenboden im Alltag
Dein Beckenboden ist rund um die Uhr aktiv, meistens völlig unbemerkt. Wenn du ihm aber gezielt ein wenig Aufmerksamkeit schenkst, kannst du ihn enorm entlasten und gleichzeitig stärken.
Beim Heben: Egal, ob du eine Wasserkiste, deine Sporttasche oder dein Kind hochhebst – atme vorher aus und aktiviere sanft deinen Beckenboden und die tiefen Bauchmuskeln. Diese bewusste Anspannung kurz vor der Belastung stabilisiert deine Lendenwirbelsäule und schützt vor übermässigem Druck nach unten. Stell dir einfach vor, du ziehst einen inneren Reissverschluss von unten nach oben zu.
Beim Husten oder Niesen: Solche reflexartigen Bewegungen erzeugen einen enormen Druck im Bauchraum. Anstatt dich zusammenzukrümmen, versuche, dich dabei leicht aufzurichten und den Beckenboden reflexartig kurz anzuspannen. Das wirkt wie ein innerer Stossdämpfer.
Beim Stehen: Viele von uns neigen dazu, passiv dazustehen, mit durchgedrückten Knien und einem leichten Hohlkreuz. Richte stattdessen dein Becken neutral auf, verteile das Gewicht gleichmässig auf beide Füsse und spüre eine sanfte, aufrichtende Spannung aus deiner Mitte heraus.
Maximiere deine Ergebnisse im Studio
Das Wissen um deine Core-Aktivierung kann dein Training in Kursen auf ein völlig neues Level heben. Plötzlich geht es nicht mehr nur um die äusseren Muskeln, sondern um eine tiefe Kraft, die von innen kommt.
Gruppenkurse sind übrigens eine fantastische Methode, um motiviert zu bleiben. Eine grosse Untersuchung mit fast 5'000 Frauen hat gezeigt, dass angeleitetes Beckenbodentraining in der Gruppe genauso wirksam sein kann wie eine Einzeltherapie. Reine Methoden wie Yoga oder Pilates allein reichen oft nicht aus, wenn die gezielte Ansteuerung des Cores fehlt. Der Schlüssel liegt in der bewussten Integration, wie wir sie in unseren Kursen vermitteln – was besonders für die 49 % der jungen Athletinnen wichtig ist, die unter Belastungsinkontinenz leiden. Erfahre mehr über die Effektivität von Beckenbodentraining in verschiedenen Formaten.
Denk daran: Jede Kniebeuge wird kraftvoller, jede Yoga-Haltung stabiler und jeder Sprung sicherer, wenn du deine Mitte bewusst aktivierst. Dein Training wird nicht nur effektiver, sondern auch sicherer.
So kannst du es konkret anwenden:
- Im HIIT-Kurs: Nutze bei Squats oder Kettlebell-Swings die Ausatmung im anstrengendsten Teil der Bewegung (z. B. beim Aufstehen aus der Kniebeuge), um deinen Beckenboden und Core explosiv zu aktivieren. Das gibt dir spürbar mehr Power und schützt deinen Rücken.
- In der Yoga-Stunde: Vertiefe deine Praxis, indem du die Verbindung von Atem und Beckenboden nutzt. Lass den Beckenboden bei der Einatmung bewusst los (etwa im herabschauenden Hund) und aktiviere ihn sanft bei der Ausatmung für mehr Stabilität in Balance-Posen.
- Im Functional Training: Bei Übungen wie dem Farmer's Walk oder beim Heben von Gewichten sorgt die konstante Core-Spannung dafür, dass die Kraft auch wirklich dort ankommt, wo sie hinsoll. Unser Angebot für Functional Training in Zürich ist genau darauf ausgelegt, diese Prinzipien zu vermitteln.
Indem du diese kleinen, aber wirkungsvollen Anpassungen vornimmst, machst du Core-Stabilität zu einem festen Bestandteil deines Lebens – und profitierst von mehr Kraft, Sicherheit und einem besseren Körpergefühl, 24 Stunden am Tag.
Wann du professionelle Unterstützung brauchst
Dein Körper spricht ständig mit dir. Meistens sind es positive Signale, wie ein wohliger Muskelkater, der dir zeigt, dass dein Training gewirkt hat. Manchmal sind es aber auch kleine, leise Warnungen – und die solltest du wirklich ernst nehmen.
Selbstständig zu trainieren ist grossartig und unglaublich wertvoll. Doch es gibt Momente, da stossen wir an unsere Grenzen. Es ist deshalb entscheidend zu erkennen, wann der richtige Zeitpunkt ist, sich professionelle Unterstützung zu holen.
Dieses Gefühl der Unsicherheit kennen viele: Ist dieses Ziehen im Unterleib noch normal oder schon ein Alarmsignal? Warum wird die Inkontinenz einfach nicht besser, obwohl ich doch regelmässig trainiere? Mache ich etwas falsch oder steckt vielleicht etwas ganz anderes dahinter? Genau hier will ich dir etwas mehr Klarheit verschaffen.
Deutliche Warnsignale deines Körpers
Manche Symptome solltest du auf keinen Fall einfach abtun oder ignorieren. Wenn du eines der folgenden Anzeichen bei dir bemerkst, ist es an der Zeit, eine spezialisierte Physiotherapeutin oder einen Arzt aufzusuchen und der Sache auf den Grund zu gehen.
Sei besonders achtsam bei diesen Punkten:
- Anhaltende Schmerzen: Du spürst Schmerzen im Becken, im unteren Rücken oder im Unterleib, die durch dein Training einfach nicht besser werden oder sich sogar verschlimmern? Dann braucht es eine professionelle Einschätzung.
- Druck- oder Fremdkörpergefühl: Ein Gefühl, als ob etwas nach unten drückt oder als wäre ein Tampon nicht richtig platziert, kann auf eine Senkung der Organe hindeuten. Das muss unbedingt abgeklärt werden.
- Keine Besserung bei Inkontinenz: Du trainierst seit Wochen regelmässig und nach bestem Wissen und Gewissen, aber der unwillkürliche Urinverlust bleibt unverändert? Dann sollte eine Fachperson prüfen, was die genaue Ursache ist.
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr: Schmerzen sind niemals normal. Sie können auf muskuläre Verspannungen oder andere Dysfunktionen im Beckenboden hinweisen, die gezielt behandelt werden können.
Dein Training soll dir ein Gefühl von Stärke und Sicherheit geben. Führt es stattdessen dauerhaft zu Schmerzen, Unwohlsein oder einer Verschlechterung deiner Symptome, ist das ein klares Zeichen, dir Hilfe zu holen.
Die Rolle der spezialisierten Physiotherapie
Eine auf den Beckenboden spezialisierte Physiotherapeutin kann so viel mehr als nur Übungen anleiten. Durch eine Tastuntersuchung kann sie präzise feststellen, ob deine Muskulatur zu schwach, zu verspannt oder vielleicht sogar beides ist. Diese genaue Diagnose ist die Grundlage für einen Therapieplan, der wirklich auf dich und deinen Körper zugeschnitten ist.
Sie hilft dir dabei, deine Ansteuerung zu verfeinern, kann manuelle Techniken zur Entspannung einsetzen und gibt dir genau die Übungen an die Hand, die du gerade wirklich brauchst. Zögere also nicht, diesen Schritt zu gehen. Es ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke und Selbstfürsorge, die richtige Unterstützung anzunehmen.
Deine Fragen zum Beckenbodentraining 2.0
Zum Abschluss möchte ich noch ein paar Fragen klären, die uns im Studioalltag bei Templeshape immer wieder begegnen. Bestimmt erkennst du dich in der einen oder anderen wieder. Mein Ziel ist, die letzten Unsicherheiten aus dem Weg zu räumen, damit du voller Vertrauen in dein Training für eine starke, funktionale Mitte starten kannst.
Gerade dieses moderne Verständnis der Core-Stabilität wirft oft neue Fragen auf, besonders wenn du bisher nur das ganz traditionelle Beckenbodentraining kanntest.
Wie oft sollte ich meinen Beckenboden trainieren?
Diese Frage hören wir fast täglich. Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Regelmässigkeit schlägt Intensität. Dein Beckenboden ist ein Muskel wie jeder andere auch – er braucht konstante, aber keine übermässigen Reize, um stärker zu werden.
Für den Anfang sind drei bis vier kurze Einheiten pro Woche von etwa 10–15 Minuten völlig ausreichend. Aber viel wichtiger als lange, isolierte Sessions ist die Integration in deinen Alltag. Nutze zum Beispiel die Wartezeit an der Kasse oder das Zähneputzen für kurze Aktivierungsübungen.
Denk daran: Jedes Mal, wenn du bewusst ausatmest und deinen Core anspannst, bevor du etwas Schweres hebst, ist das eine unbezahlbare Trainingseinheit. Qualität und Bewusstsein sind hier der Schlüssel, nicht die reine Quantität.
Kann ich auch zu viel trainieren?
Ja, absolut – und das ist ein entscheidender Punkt beim Beckenbodentraining 2.0. Ein übertrainierter, permanent angespannter Beckenboden ist nämlich genauso problematisch wie ein zu schwacher. In der Fachsprache nennen wir das eine hypertone Beckenbodenmuskulatur.
So ein verspannter Beckenboden kann zu Schmerzen im Beckenbereich, Problemen beim Wasserlassen oder sogar zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr führen. Genau deshalb ist die Entspannungsphase mindestens genauso wichtig wie die Anspannung selbst. Achte immer ganz bewusst darauf, nach jeder Aktivierung wieder loszulassen und dem Muskel Zeit zur Erholung zu geben.
Solltest du das Gefühl haben, deine Muskulatur ist eher verspannt als schwach, dann sind sanfte Dehnungen und vor allem die tiefe Zwerchfellatmung deine besten Freunde.
Ist Beckenbodentraining auch für Männer wichtig?
Ein klares und lautes: Ja, unbedingt! Auch wenn das Thema historisch eher in die weibliche Ecke gedrängt wurde, ist ein funktionaler Beckenboden für dich als Mann genauso entscheidend für die Stabilität deines gesamten Rumpfes. Er stützt deine Organe, sichert deine Kontinenz – ein grosses Thema besonders nach Prostataoperationen – und spielt eine wichtige Rolle für die sexuelle Funktion.
Für dich gelten exakt dieselben Prinzipien. Die Ansteuerung klappt oft gut mit der Vorstellung, den Bereich zwischen Hodensack und After sanft nach innen und oben zu ziehen. Integrierst du das ins Krafttraining, zum Beispiel bei Kniebeugen oder Kreuzheben, schützt das nicht nur deinen Rücken, sondern verbessert auch die Kraftübertragung enorm.
Ab wann spüre ich denn erste Erfolge?
Dein Körpergefühl ist der erste und wichtigste Indikator. Viele unserer Mitglieder berichten schon nach ein bis zwei Wochen von einer besseren Wahrnehmung und einer feineren Ansteuerung ihrer Core-Muskulatur. Du fühlst dich vielleicht einfach aufrechter, stehst stabiler oder fühlst dich sicherer, wenn du etwas hebst.
Bis sich dann auch messbare Kraftverbesserungen einstellen oder Symptome wie Belastungsinkontinenz deutlich nachlassen, kann es sechs bis acht Wochen dauern. Das Wichtigste ist: Bleib geduldig und konsequent. Jeder kleine Schritt baut auf dem vorherigen auf und legt das Fundament für eine langfristig starke und gesunde Körpermitte.
Bist du bereit, deine Core-Stabilität aufs nächste Level zu heben und die Prinzipien des Beckenbodentrainings 2.0 in einer motivierenden und unterstützenden Umgebung zu erleben? Bei Templeshape GmbH findest du genau die Kurse und die Community, die du brauchst, um Bewegung zu einer nachhaltigen Gewohnheit zu machen. Entdecke unsere vielfältigen Angebote von Pilates über Functional Training bis hin zu speziellen Mama Workouts und starte noch heute deine Reise zu einer stärkeren Mitte.
